Tour-fixe: Mittwochs wandern in Rhein-Main
Spuren am Wegesrand
Die Wanderung am 17. November 2021 war keine „gewöhnliche“ aus der Tour-Fixe-Reihe, sondern die erste thematische Wanderung mit dem Titel SpurenSuche. Sie führte uns von Kronberg aus durch den Victoriapark und über die Bürgelplatte (446m) zum weit außerhalb gelegenen alten jüdischen Friedhof von Kronberg. Dieser Ort des Gedenkens spiegelt die leidvolle Geschichte jüdischen Lebens wider. Von ehemals fast 5000 m² Friedhofsgelände ist nur noch ein kleiner Teil mit 41 Grabsteinen erhalten. Das übrige Gebiet wurde von den Nationalsozialisten zerstört, eingeebnet und aufgeforstet.
Es ist uns bei unserem weiteren Weg bewusst, dass wir noch eine Zeitlang über alte Gräber laufen. Wie von selbst kommen unsere Gespräche auf die Gedenkform der Stolpersteine, die unsere Geschichte auf eindrückliche Weise erlebbar macht. Diejenigen, die das Schicksal der einstmals jüdischen Bewohner*innen zu ergründen suchen und recherchieren, tauchen tief ein in deren Lebensgeschichte. So ist es besonders, dass auch Renate Hebauf an der Wanderung teilnimmt, die zwei Bücher zu diesem Thema geschrieben hat. Eines über ein so genanntes „Ghettohaus“ in Frankfurt und ein zweites über die Flucht jüdischer Kinder aus Frankfurt in die USA (s. Literaturtipp).
Es ist immer noch, als stünden wir am Anfang einer großen wichtigen Aufarbeitung unserer Geschichte, um in der Gegenwart Antisemitismus, Antiziganismus, Rassismus in all seinen Formen zu überwinden.
Eine rundum schöne Wanderung im letzten Herbstlaub über den Hünerberg, vorbei am Hauburgstein, den Waldwiesenbach entlang durch das Naturschutzgebiet Hünerbergwiesen zum Urselbach schließt sich an.
Danke an Constanze!
Heidi Ziehaus
Literaturtipp:
Renate Hebauf: „Gaußstraße 14. Ein »Ghettohaus« in Frankfurt am Main. Die Geschichte eines Hauses und seiner jüdischen Bewohnerinnen und Bewohner zwischen 1912 und 1945“ (2010) und „Du wirst nach Amerika gehen. Flucht und Rettung unbegleiteter jüdischer Kinder aus Frankfurt am Main in die USA zwischen 1934 und 1945“ (erscheint im Frühjahr 2022 im Verlag Brandes & Apsel).