Während mehr als die Hälfte der Deutschen zumindest gelegentlich wandern, ist der Anteil bei den NaturFreunden weitaus höher. Denn schließlich ist Wandern nicht nur ein schöner und günstiger Natursport ohne Einstiegshürde. Das Wandern kann auch eine gute Möglichkeit sein, um die Welt zu entdecken und besser zu begreifen, zum Beispiel mit dem NaturFreunde-Konzept des Sozialen Wanderns.
Wandern bei den NaturFreunden bedeutet sportliche Betätigung in der Gruppe sowie ein gemeinsames Naturerlebnis - ob beim naturkundlichen Ausflug in die heimatlichen Natur, bei mehrtägigen Trekkings, beim Schneeschuhgehen, Bergwandern oder Radwandern. In vielen Landesverbänden betreuen NaturFreunde auch Wanderwege oder sind zuständig für deren Beschilderung. Die Natura Trails der NaturFreunde beschreiben zudem Routen durch europäische Naturschutzgebiete. Heute gibt es in einigen Ortsgruppen der NaturFreunde Hessens ausgebildeten Wanderleiter*innen, die einzelne Wanderungen oder ganze Jahresprogramme ausschreibt. In diesem Portal findest Du Tourenberichte, Ausbildungsinformationen und Mitmachtermine rund um das Wandern.
Bergfrühling im Leutaschtal
Eine Wanderwoche im Juni 2026 für Botanik-Interessierte, die gerne zum Fotografieren oder Pflanzenbestimmen stehen bleiben!
Das Leutaschtal ist ein 16 km langes Hochtal bei Seefeld in Tirol, umrahmt von den imposanten Gipfeln des Wetterstein- und Miemingergebirges, mit herrlichen Blumenwiesen, Mooren und Seen. Zum Erhalt der Artenvielfalt werden in der gesamten Region die Wiesen erst ab 1. Juli gemäht, manche nur einmal, höchstens zweimal im Jahr. Hier fanden die Bergfrühlingswochen des Sportvereins der NaturFreunde Hessen statt, geleitet von der Wanderleiterin Constanze Brucker.
Wir waren alle mit der Bahn angereist, im Gästeticket der Region sind die Busfahrten in alle Nebentäler inbegriffen, so stand unsere Reise unter dem Motto von Klimaschutz und Erhalt der Biodiversität, nicht zuletzt wollten wir uns an der Blumenvielfalt erfreuen!
Am ersten Tag gings in die Geisterklamm, wo sich die Leutascher Ache durch die Felsen zwängt. Schon dort waren wir über die Artenvielfalt erstaunt, obwohl ja in einer Klamm nicht die besten Wachstumsbedingungen zu sein scheinen. Wir fanden Waldrebe, (Clematis Alpina), die Orchidee Waldvöglein, Schwalbenwurz, Wiesenraute, Quirlständige Weißwurz und vieles mehr.
Zur Schonung unserer Gelenke wanderten wir am nächsten Tag durch das Hochmoor Wildmoos mit seinen aperiodischen Seen, die durch das unterirdische Karstgebiet je nach Laune auftauchen und wieder verschwinden. Im Hochmoor fanden wir sogar den fleischfressenden Sonnentau, der ja durch die Zerstörung der Hochmoore fast ausgestorben ist. Besondere Formen uns bekannter Pflanzen wie Teufelskralle, Alpenbaldrian, 5-blättrige Einbeere wurden von uns identifiziert. Wunderbar: die Wiesen voller Trollblumen!
Der bekannte Leutascher Hansi Bandl führte uns am Mittwoch durch die Blütenwiesen, angereichert mit Geschichten zu Pflanzen und zum Leben im früher sehr armen Tiroler Tal.
Die Zucht und der Verkauf von Goldhafersamen, einer qualitativ hochwertigen Alpengrassorte für Viehweiden, ernährte viele Familien, eine mühselige aber ertragreiche Beschäftigung.
Am Feiertag Fronleichnam gab es in den Dörfern die traditionellen Prozessionen, wir aber fuhren an diesem sonnigen Tag mit der Gondel zum Seefelder Joch und wanderten auf die Seefelder Spitze. Endlich im Hochgebirge, konnten wir rundum auf die immer präsente Hohe Munde, das Karwendelgebirge, Wettersteingebirge und bis zur Zugspitze schauen. Verschiedene Enziansorten, winzige Frauenmantelpflanzen, Alpenbartschie, Alpenhahnenfuß, weiße Silberwurz, gestreifter Seidelbast und eine Harfinisten am Gipfelkreuz machten den Ausflug zu einem besonderen Erlebnis.
Am letzten Tag ging es ins Gaisbachtal, wir wanderten durch die Almen (noch ohne Vieh) zum ehemaligen Jagdhaus von Ganghofer, in dem er vor dem ersten Weltkrieg zahlreiche prominente Autoren empfing. Von hier zurück gings direkt ins Ganghofer-Museum. Der anwesende Museumsleiter, ein ehemaliger Bergretter führte uns durch die aktuelle Ausstellung zur Geschichte der Bergrettung. Unglaublich, mit welchen schweren und unhandlichen Hilfsmitteln früher Menschen aus Bergunfällen gerettet wurden.
Besonders war an dieser Woche die harmonische Gruppe, die trotz aller Unterschiedlichkeiten durch die gemeinsame Liebe zur Artenvielfalt jeden Tag erfreuliche Momente teilen konnte. Im nächsten Jahr wollen wir wieder gemeinsam aufbrechen, um dann Anfang Juli die Orchideenvielfalt im Leutasch zu genießen.
Anja Kraus und Constanze Brucker
Man muss auch nach oben schauen, wenn man mehr über den Wald erfahren will
Wanderwochenende "Geheimnis um den Rimdidim" 13.-15.6.2025
Seit einigen Jahren bietet der Landesverband Hessen an, einen der "Natura Trails" mit Hilfe von sachkundigen Menschen besser kennenzulernen.
Das Ganze wird in ein Wochenende verpackt, damit sich NaturFreund:innen, die aus verschiedenen Richtungen kommen, besser kennenlernen.
So auch im Juni 2025 mit Standort Höchst im Odenwald. Heiß war es, aber die 13köpfige Gruppe ließ sich trotzdem nicht davon abhalten, schon freitags die Obrunn-Schlucht zu erwandern und die Frische in diesem Teil des Waldes zu genießen. Historische und märchenhafte Gebäudeminiaturen säumen den Weg, und auch "die wilde 13" fehlt nicht.
Am Samstag galt es, dem Rimdidim-Geheimnis auf die Spur zu kommen. Ein ehemaliger Förster, der für den Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald Gruppen führt, machte uns fachkompetent und didaktisch hervorragend auf die Bedingungen, in denen Bäume heute leben und sich an die menschengemachten Probleme anpassen müssen, aufmerksam. Ja, nach oben schauen musste man, um so manche blattarm gewordene Krone zu entdecken, aber auch besonders schön gewachsene Bäume, deren Saatgut für ganz Hessen gesammelt wird, lernten wir kennen. Und was bedeutet es, wenn an einen Baum ein H oder an einen anderen ein R gepinselt ist? Wie hat sich der Baumbestand im Laufe der Jahrhunderte der Nutzung durch den Menschen immer wieder verändert? Woran erkennt man, dass hier einmal eine Köhlerhütte stand, in der im Auftrag der Fürsten zur Abholzung der Wälder beigetragen wurde? Und wo eigentlich befindet sich die Ruine des ehemaligen Naturfreundehauses der Darmstädter und Ober-Ramstädter Ortsgruppen, das von den Nazis gestohlen wurde und später verfiel? Das Schloss Lichtenberg grüßte immer wieder in der Ferne. Auf all das wurden wir aufmerksam gemacht und den Rimdidim gab es noch oben drauf!
Wenn auch am Sonntag Gewitter angesagt war, ließen wir uns nicht davon abbringen, drei Mitglieder der Ortsgruppe Bad König in Michelstadt zu treffen. Denn diese hatten eine wunderbare Wanderung auf den Höhen oberhalb von Michelstadt für uns vorbereitet, und geregnet hat es nur einmal ganz kurz! Alles in allem: ein Wochenende, das man nicht missen möchte.
Von Haus zu Haus, der Pfälzer NaturFreundeweg
Die NaturFreunde Hessen, in Kooperation mit dem Sportverein der NaturFreunde Hessen, bieten an:
Wanderwoche vom 24.4.2023 bis 28.4.2023
Insgesamt 15 Naturfreundehäuser an einem Rundwanderweg mit über 220 Kilometer durch Deutschlands größtes zusammenhängendes Waldgebiet: Klingt nach einer wirklich guten Wandertour mit gehobenen sportlichen Ansprüchen, von der wir einen Teil erwandern. Der Weg ist mit dem NaturFreunde-Wegezeichen markiert, es stehen aber auch alle GPX-Daten auf der Website der NaturFreunde Rheinland-Pfalz zur Verfügung.
Die Ausschreibung mit Anmeldung zum Download:
Tour-fixe - mittwochs wandern in Rhein-Main
Was es alles zu entdecken gibt, was es alles zu diskutieren gibt, was es alles zu erfahren gibt, das erlebt man nur, wenn man mitwandert. Jeden Mittwoch und im heißen Sommer vor allem für Frühaufsteher:innen geeignet! Alle anderen können sich über die neben stehenden Links Eindrücke verschaffen, wie schön es mittwochs war.
Eine Woche "Auf den Schwingen des Habichts"
Zwiebelzahnwurz und Scharbockskraut, Knabenkraut und Aronstab, Lerchensporn und Elsbeere, das alles und noch viel mehr haben wir bewundert auf unserer Wandertour durch den Habichtswald, ganze Wiesen bzw. Waldwege waren übersät davon! Das hat mich motiviert, mir endlich auch die Namen zu merken, und einige der 14 Wanderfreudigen haben mir dabei geholfen.
An- und Abreisetag weggerechnet, sind wir 4 Tage lang, motiviert, geführt und wohl behütet von den Wanderleiterinnen Constanze und Margret, von Zierenberg bis zur Edertalsperre gewandert, auf verschlungenen Wegen, vorbei an beeindruckenden Basaltformationen und -steinbrüchen, über Kegelberge mit ihren mehr oder weniger verfallenen Burgen. Tolles Wetter, der im wahrsten Sinne des Wortes "zweite Frühling" (denn die aufbrechenden Blattknospen im wärmeren Rhein-Main-Gebiet hatten wir ja gerade schon erlebt), Wiesen, Wälder und Bachtäler, zwitschernde Lerchen über den Äckern und Vögel in den Hecken machten diese Wanderung zu einem unvergesslichen Erlebnis.
Nach 82 Kilometern und 2020 Höhenmetern kamen wir müde, aber zufrieden an der Edertalsperre an.
In Bad Emstal haben wir NaturFreundinnen aus der dortigen Ortsgruppe getroffen. Dank an Barbara, Jutta und Simone! Sie empfingen uns noch mitten im Wald mit Kaffee und von Barbara gebackenen Kuchen.
In Merxhausen besuchten wir die Gedenkstätte, wo wir vom Vorsitzenden des Geschichtsvereins über diesen Ort hörten. Hier lebten zwischen 1946 und 1949 mehrere hundert "Displaced Persons", also entwurzelte Menschen, die Zwangsarbeiter, KZ-Häftlinge oder Kriegsgefangene gewesen waren und deren Rückführung in ihre Heimat nur teilweise gelang. Die United Nations Relief and Rehabilitation Administration (UNRRA) kümmerte sich um diese Menschen. Trotzdem starben in diesen Jahren 63 davon, die auf dem Friedhof begraben sind. An einer Gedenkstele legten wir Blumen nieder, denn die Veranstaltung stand im Rahmen der bundesweiten NaturFreunde-Aktionstage "Gemeinsam für globale Abrüstung und Frieden".
Auch sind auf dem Friedhof "Korrigenden" beerdigt. Das sind Landstreicher, Bettler und Prostituierte, die während des Nationalsozialismus kriminalisiert, strafrechtlich verfolgt und in "Korrektionsanstalten" inhaftiert und gequält und in Tötungsanstalten verschickt wurden oder elend umkamen.
So setzten die wunderschönen Wandertage auch einen nachdenklichen Akzent, der noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Marianne Friemelt


