Der Kultura Trail der Ortsgruppe Darmstadt startet am Verkehrsknotenpunkt Ostbahnhof und führt durch den Park Rosenhöhe im Osten um die Stadt herum, vorbei am Naturfreundehaus “Stadtheim” Darmstadt. Weiter geht es in die Innenstadt und über die Ollenhauerpromenade bis hinauf zum UNESCO Weltkulturerbe Mathildenhöhe. Sie thematisiert die Bedeutung von Wasser, historische Ereignisse und nachhaltige Landwirtschaft.
Wir arbeiten zusammen mit dem Kinderhilfswerk UNICEF Darmstadt. Über die Mitmachaktion walk4UNICEF können Wanderbegeisterte Gutes tun und für die weltweite Versorgung von Kindern mit sauberem Trinkwasser spenden. (Link folgt)
Der Kultura Trail Darmstadt ist mit rund 7 Kilometern und nur geringen Steigungen familienfreundlich. Wer mit dem Zug anreist, startet am Ostbahnhof. Da es sich um einen Rundweg handelt, ist der Einstieg an jedem Punkt des Weges möglich. Die Tour geht teils durchs Grüne und teils durch die Stadt. Sie ist erweiterbar zum Beispiel über das Oberfeld.
Der Kultura Trail liegt in der Verantwortung der NaturFreunde Darmstadt (link) und wurde gemeinsam mit der Arbeitsgruppe „Kultura Trails der NaturFreunde Hessen“ konzipiert.
Highlights:
Ostbahnhof
Der Ostbahnhof Darmstadt ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt für Pendler und Touristen. Er spielt eine zentrale Rolle in der Erschließung des Odenwaldes und angrenzender Regionen. Die Odenwaldbahn ist die einzige durchgängige, bogenförmige Regionalbahnstrecke, die eine Art Ringtour ermöglicht:
von Erbach über Babenhausen und Hanau nach Frankfurt und zurück über Darmstadt und Reinheim nach Erbach. Sie wurde seit dem Spatenstich 1868 immer wieder heiß diskutiert, es wurde ausgebaut, verändert, stillgelegt, modernisiert. Denn öffentlicher Nahverkehr zwischen ländlichen Gebieten und Städten erschließt Wirtschaftsräume und macht den Weg zur Arbeit auch ohne Auto möglich.
Der Ostbahnhof wurde 1869 als Haltepunkt „Rosenhöhe“ eröffnet und erhielt 1900 seinen heutigen Namen. Das historische Empfangsgebäude im spätklassizistischen Fachwerkstil steht unter Denkmalschutz. Es wurde denkmalgerecht saniert und beherbergt Geschäfts- und Büroräume.
Löwentor Rosenhöhe
Das Löwentor wurde 1926 am Eingang zur Rosenhöhe aufgebaut, nachdem es zuvor als Portal zur vierten Jugendstil-Ausstellung der Künstlerkolonie 1914 auf der Mathildenhöhe gedient hatte. Es besteht aus sechs von Albin Müller entworfenen Klinkerpfeilern, auf denen überlebensgroße Löwenplastiken des Bildhauers Bernhard Hoetger thronen. Bei der Versetzung des Tors von der Mathilden- zur Rosenhöhe ersetzte Albin Müller die ursprünglichen ionischen Doppelsäulen durch expressionistische Klinkerpfeiler.
Der Landschaftspark Rosenhöhe wurde von Großherzogin Wilhelmine 1810 anlegt.
Teehäuschen auf der Rosenhöhe
Das Teehäuschen wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts vom Hofarchitekten Georg Moller im klassizistischen Stil entworfen. Besonders auffällig ist die südliche Schauseite mit einem breiten Holzbalkon, der durch kunstvoll geschnitzte Geländer und dekorative Malereien mit Vogelmotiven und geometrischen Mustern besticht. Das flache, schiefergedeckte Zeltdach wird von einer vergoldeten Spitze mit Kugeln und einem Halbmond gekrönt.
Ursprünglich diente das Teehäuschen als Teil der Parkausstattung und bot einen Ort der Ruhe und des Genusses inmitten der Natur.
Historisches Gutshaus Hofgut Oberfeld
Das historische Gutshaus von 1893 ist eng mit der landwirtschaftlichen Entwicklung der Region verbunden. Ursprünglich diente es als Wohn- und Wirtschaftsgebäude für die landwirtschaftlichen Betriebe der Umgebung. Heute ist es Sitz der Stiftung Hofgut Oberfeld. Der Gutshaussaal kann für Veranstaltungen genutzt werden.
Das Hofgut Oberfeld hat sich von einem historischen Gutshof zu einem wichtigen Standort für nachhaltige Landwirtschaft, kulturelle Aktivitäten und Bildungsangebote entwickelt. Es ist nicht nur ein bedeutender Ort für die ökologische Landwirtschaft, sondern auch ein Ort des Erlebens und des Lernens rund um die Themen Umwelt und Nachhaltigkeit – und spielt so eine zentrale Rolle in der grünen und kulturellen Landschaft Darmstadts.
CampusAckerdemie am Botanischen Garten
Die CampusAckerdemie ist ein praxisorientiertes Bildungsprogramm der TU Darmstadt in Zusammenarbeit mit dem Verein Acker e.V. Es richtet sich an Lehramtsstudierende im Fach Biologie und integriert Themen wie Gemüseanbau und Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) in die universitäre Ausbildung.
Im Rahmen des Programms bewirtschaften die Studierenden im Sommersemester einen Lehr-Schulgarten auf dem Campus "Botanischer Garten". Dabei pflanzen, pflegen und ernten sie bis zu 30 verschiedene Gemüsearten. Unter Anleitung erfahrener AckerCoaches erwerben sie landwirtschaftliche und pädagogische Kompetenzen, um später selbst Schulgärten als nachhaltige Lernorte zu etablieren.
Gegenüber lohnt sich ein Blick auf das Dampflok-Graffito am alten Bahnwärterhäuschen.
Jenseits der Eisenbahntrasse liegt der Botanische Garten der Technischen Universität Darmstadt, ein wissenschaftlicher Lehr- und Forschungsgarten mit einer über 200-jährigen Geschichte.
TSG Eingangstor "Tor der Jugend"
Das "Tor der Jugend" ist der repräsentative Eingang zum Sportgelände der Darmstädter Turn- und Sportgemeinde 1846 e.V. (TSG 1846). Dieses markante Tor wurde 1936 im Rahmen der Erweiterung des Vereinsgeländes vom Reichssportführer eingeweiht und dient seitdem als symbolischer Zugang zu den vielfältigen Sporteinrichtungen der TSG 1846.
Nachdem die "Darmstädter Turn- und Sportgemeinde" die als e.V. noch heute ihr Geburtsjahr 1846 im Namen führt, gegründet war, wurde sie bereits 1847 vom Großherzog Ludwig II wegen angeblicher politischer Umtriebe mit Turnverbot belegt. Man turnte trotzdem weiter. 91 Jahre später wurde der Verein von den Nazis in "Gemeinschaft für Leibesübungen" umbenannt und in den Reichsbund eingegliedert. Nach dem Krieg lösten die Amerikaner den Reichsbund auf und verboten Vereinsgründungen. Erst 1949 wurde die TSG neu gegründet und erhielt ihr Gelände zurück.
Darmbach
Der Darmbach hat eine wichtige Rolle in der Entwicklung der Stadt gespielt. Ursprünglich war er ein natürlicher Wasserlauf, der zur Wasserversorgung der ansässigen Bevölkerung beitrug.
Im Mittelalter wurde der Bach zunehmend für verschiedene Zwecke genutzt, darunter die Bewässerung von Feldern und die Versorgung von Mühlen. Mit der Urbanisierung und dem Wachstum der Stadt im 19. Jahrhundert erfuhr der Darmbach jedoch erhebliche Veränderungen. Viele Abschnitte des Baches wurden kanalisiert oder überbaut, um Platz für die wachsende Infrastruktur zu schaffen. Der Darmbach verläuft heute größtenteils unterirdisch und wird in die städtische Kläranlage eingeleitet. Die geplante Offenlegung und Renaturierung des Darmbachs ist ein seit Jahren heiß diskutiertes Projekt. Die Befürworter wollen den Bach wieder sichtbar und erlebbar machen und die Stadtgestaltung aufwerten. Die Kritiker fordern einen endgültigen Stopp der Offenlegung. Sie argumentieren, dass die Maßnahme keinen Mehrwert für die Bürger biete und die Kosten in keinem Verhältnis zum Nutzen stünden.
Naturfreundehaus Darmstadt „Stadtheim“
Das Naturfreundehaus, auch als Stadtheim bekannt, spielt eine zentrale Rolle im Vereinsleben der NaturFreunde Darmstadt, die sich seit ihrer Gründung 1912 für Umweltschutz, soziale Gerechtigkeit und kulturellen Austausch einsetzen. Neben Wanderungen und Kreativangeboten wie Töpfern oder Malen werden auch gesellschaftspolitische Veranstaltungen organisiert.
Das Stadtheim ist barrierefrei zugänglich und wird regelmäßig für Seniorentreffs, Vereinsversammlungen, Seminare und kulturelle Veranstaltungen genutzt. Das Haus verfügt über zwei Veranstaltungsräume – einen großen Saal für bis zu 60 Personen und einen kleineren für etwa 25 Personen – sowie eine voll ausgestattete Küche.
Jugendstilbad: Denkmal zur Bücherverbrennung
Vor dem Jugendstilbad in Darmstadt erinnert eine im Boden eingelassene Gedenkplatte an die Bücherverbrennung vom 21. Juni 1933. Initiiert von der Studentenschaft der Technischen Hochschule verbrannten Nationalsozialisten auf dem Mercksplatz mehrere tausend Bücher von als "undeutsch" diffamierten Autorinnen und Autoren.
Die etwa 1,20 x 1,20 Meter große Bronzetafel wurde im Juni 2003 auf Anregung von Schülerinnen und Schülern der Viktoriaschule Darmstadt verlegt. Sie zeigt stilisierte Bücher und Flammen sowie die Inschrift: „Auf diesem Platz verbrannten am 21. Juni 1933 NS-Studenten die Bücher von Schriftstellern und Wissenschaftlern. Wehret den Anfängen.“
Die Gedenkplatte ist ein sichtbares Zeichen gegen das Vergessen und mahnt zur Wachsamkeit gegenüber jeder Form von Zensur und Intoleranz.
Hiroshima/Nagasaki-Platz
Der Hiroshima-Nagasaki-Platz am Kongresszentrum darmstadtium wurde am 1. September 2017, dem Antikriegstag, offiziell eingeweiht. Die Benennung erfolgte auf Anregung des Darmstädter Friedensforums, um an die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki im August 1945 zu erinnern und ein Zeichen für Frieden und atomare Abrüstung zu setzen.
Stolpersteine erinnern an die verfolgten Opfer des Nationalsozialismus, insbesondere an die Judenverfolgung, die Zwangsdeportationen und die Massenmorde.
Ein weiteres Denkmal ist "dem unbekannten Deserteur" gewidmet.
Ollenhauer-Promenade - Demokraten Büchner und Weidig
"Friede den Hütten - Krieg den Palästen!", so forderten der Dichter Georg Büchner und der Pfarrer Ludwig Weidig in ihrer Streitschrift "Der hessische Landbote", die auf verschwörerischen Wegen 1834 im Großherzogtum Hessen-Darmstadt verteilt wurde. Darin wurde die Unterdrückung und miserable Lebenssituation der Landbevölkerung dem verschwenderischen Reichtum der Fürstenhäuser gegenübergestellt. Büchner und Weidig versuchten, klarzumachen, dass solche Zustände nicht gottgegeben seien, wie es die Adligen behaupteten. Büchner musste daraufhin fliehen, Weidig wurde verhaftet, gefoltert und starb unter ungeklärten Umständen. Das Denkmal mahnt uns heute zum Widerstand gegen ungerechte Verhältnisse.
Die Erich-Ollenhauer-Promenade in Darmstadt wurde 1960 als grüne Fußgängerverbindung konzipiert, die vom Schloss über die Mathildenhöhe bis zur Rosenhöhe führt. Benannt wurde sie nach dem SPD-Politiker Erich Ollenhauer zu Ehren seines politischen Engagements und seines Beitrags zur deutschen Demokratie in den Zeiten des Wiederaufbaus nach dem 2. Weltkrieg.
Platanenhain Mathildenhöhe
Der Platanenhain auf der Mathildenhöhe in Darmstadt ist Teil des Ensembles UNESCO Weltkulturerbe. Die Skulpturen und Reliefs der Jugendstilkünstler symbolisieren den Kreislauf des Lebens. Mit Brunnen und Wasserträgerinnen huldigt das Areal dem wichtigen Element Wasser. Und das wurde knapp für die Bäume. Durch Trockenheit und Bodenverdichtung waren die Platanen vor einigen Jahren stark gefährdet. Dass es nicht zum Kahlschlag kam, ist der Initiative von Bürgerinnen und Bürgern zu verdanken. Stattdessen konnte durch Befüllung mit einem speziellen Substrat und Belüftungsrohren sowie einer intelligenten unterirdischen Tröpfchenbewässerung der Großteil der 178 Bäume gerettet werden. Nur 40 mussten neu gepflanzt werden.

