Angesichts der laufenden Koalitionsverhandlungen in hessischen Großstädten nach den Kommunalwahlen appellieren die NaturFreunde Hessen an die politischen Parteien, den Schutz von Böden und Freiflächen verbindlich in ihren Vereinbarungen zu verankern. Der Flächenverbrauch im Rhein-Main-Gebiet habe ein Ausmaß erreicht, das Natur, Klima und Lebensqualität zunehmend gefährde, so Petra Scharf, Sprecherin des Landesvorstands NaturFreunde Hessen.
In ganz Hessen werden weiterhin täglich rund 1,7 Hektar für Siedlungs- und Verkehrsprojekte neu in Anspruch genommen. Trotz eines Rückgangs in den vergangenen Jahren ist das weiterhin ein alarmierend hohes Niveau.
Auch bundesweit ist der Trend kritisch: Täglich werden in Deutschland über 50 Hektar Fläche verbraucht, meist auf Kosten landwirtschaftlicher Nutzflächen und natürlicher Lebensräume. Versiegelte Böden gehen als Lebensraum, Wasserspeicher und CO₂-Senke dauerhaft verloren.
Der Druck auf Flächen wächst insbesondere im Rhein-Main-Gebiet durch Bevölkerungszuwachs und Bedarf an Gewerbe- und Verkehrsflächen. So stieg allein in Frankfurt die Bevölkerung zwischen 2016 und 2023 um mehr als fünf Prozent. Die bebaute Siedlungsfläche wuchs deutlich, ein Plus von 92 Hektar nur für Wohnflächen und Industrie- und Gewerbeflächen. Das geht auf Kosten der Vegetationsflächen: Im Gegensatz zur Siedlungsfläche verringerten sich die landwirtschaftlichen Flächen und Waldflächen (um insgesamt 102 Hektar).
Die NaturFreunde Hessen warnen davor, den Flächenverbrauch weiter zu steigern: „Der Verlust von Böden verschärft die Klimakrise, zerstört Lebensräume und gefährdet langfristig auch die regionale Lebensmittelversorgung“, erklärt Sven Malsy, Sprecher des Landesvorstands NaturFreunde Hessen. Versiegelte Flächen können kein Wasser speichern und tragen zur Überhitzung von Städten bei. Ziel müsse es sein, Flächenneuinanspruchnahme konsequent zu begrenzen.
Konkrete Forderungen der NaturFreunde Hessen:
• Verbindliche Ziele zur Reduzierung des Flächenverbrauchs in Koalitionsverträgen
• Vorrang für Innenentwicklung, Nachverdichtung und Flächenrecycling
• Aus- und Umbau der Städte in sogenannte „Schwammstädte“
• Stopp neuer Baugebiete auf der „grünen Wiese“
„Die Kommunalpolitik entscheidet maßgeblich darüber, wie unsere Landschaft in Zukunft aussieht. Jetzt ist der Moment, klare Leitplanken gegen den Flächenfraß zu setzen“, so Petra Scharf.
Die NaturFreunde Hessen fordern die Verhandlungspartner daher auf, den sparsamen Umgang mit der endlichen und belasteten Ressource Boden zu einem zentralen Bestandteil der künftigen Kommunalpolitik zu machen.
Über die NaturFreunde Hessen
Die NaturFreunde Hessen sind ein sozial-ökologischer und gesellschaftspolitisch aktiver Verband für Umweltschutz, sanften Tourismus, Sport und Kultur. Als Teil der bundesweiten NaturFreunde Deutschlands mit mehr als 65.000 Mitglieder in über 500 Ortsgruppen engagieren sich die NaturFreunde ehrenamtlich für die nachhaltige Entwicklung der Gesellschaft.
Pressekontakt
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