
Über 30 000 Demonstranten sind am Wochenende vor der Bundestagswahl in Hessen gegen rechts auf die Straße gegangen. Rund 20 000 Menschen versammelten sich auf dem Frankfurter Römerberg und dem angrenzenden Paulsplatz, um gegen die AfD und für eine vielfältige Gesellschaft zu demonstrieren. Dazu aufgerufen hatten zirka 75 Organisationen und mit dabei die Frankfurter und hessischen NaturFreunde.
In vielen hessischen Städten, darunter Darmstadt, Michelstadt, Wiesbaden, Marburg. Kassel und Eschwege, fanden Protestaktionen zur Stärkung der Demokratie statt. Der vom CSD initiierte Protest in Frankfurt stand unter dem Motto „Wähl‘ Liebe und Demokratie, statt Hass und Diskriminierung“. Von der Aidshilfe und der Arbeiterwohlfahrt über die Caritas und dem Hessischen Flüchtlingsrat bis zur Lebenshilfe und den Omas gegen Rechts folgten dem dazugehörigen Aufruf. Von weitem schon sah man die roten Fahnen der NaturFreunde wehen. Weil Gleichberechtigung von Minderheiten immer mehr in Frage gestellt wird und z. B. Menschen mit migrantischen Wurzeln zu Sündenböcken erklärt werden, aber auch trans‘ Personen Anfeindungen ausgesetzt sind, ist Gegenwehr dringend geboten.
Mit einer Schweigeminute begann die Kundgebung auf dem Römerberg. Der Stadtdekan der Evangelischen Kirche Holger Kamlah rief dazu auf, der Opfer der Gewalttaten von Hanau, Solingen, Aschaffenburg und München zu gedenken. Es wurde sehr still auf dem Platz und nur die Glocken des Doms waren zu hören. Großen Beifall erhielt der Frankfurter Oberbürgermeister, als er daran erinnerte, dass in der Stadt 175 Nationen vertreten seien und die Migranten in unseren KITAs, Krankenhäuser, bei der Müllbeseitigung und als Oberbürgermeister arbeiteten. Man müsse sich heute wieder stark dafür machen, dass jeder so leben kann, wie er möchte, sagte Sportmanager und Obdachlosenmäzen Bernd Reisig. Der frühere Eintracht-Präsident Peter Fischer forderte dazu auf, sich stärker im eigenen Umfeld am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft und in Vereinen gegen die AfD zu positionieren, also „klare Kante gegen den braunen Mist“ zu zeigen. Zwischen den Beiträgen wurde getanzt und gesungen.
Viele selbstgemalte Plakate und Schilder sah man auf dem Frankfurter Römerberg: „Kein Handkäs für Nazis“, „Hass ist keine Meinung“, „Lillifee statt AfD“ war darauf zu lesen, aber auch: “Als wir Frauen mehr Rechte wollten, meinten wir damit keine Nazis“. Gegen Ende der Kundgebung trat der Rapper Hassan Annouri mit seinem Lied „Wir sind alles Frankfurter“ auf und der Sänger Gastone stimmte das Partisanenlied „Bella ciao“ an. Zum lauten Mitsingen lud an diesem Tag auch die Anti-Nazi-Hymne „Schrei nach Liebe“ der Band „Die Ärzte“ ein. Der Chor der Omas gegen Rechts sang zum Abschluss der Veranstaltung.
Ulla Wittig-Goetz